Erstsemestererfahrungen

Von Nicole Bonk

Ich bin 18 Jahre alt und studiere Betriebswirtschaftslehre, im ersten Semester, in Göttingen. Bevor ich das Studium begonnen habe, war ich Klavierschülerin in der Musikakademie Chen und hatte Unterricht bei Frau Chen. Vor dem Studium war Klavier spielen neben der Schule ein Hobby, für das ich jeden Tag Zeit aufgebracht habe, mit meinem Umzug jedoch beendete ich den Unterricht. In meiner kleinen Wohnung ist kein Platz für ein Klavier, sodass sich Unterricht auch in der neuen Stadt nicht lohnen würde, da man die Möglichkeit zum Üben, wie man sie vorher hatte, nicht mehr besitzt. Trotzdem ist die Musik weiterhin ein großer Bestandteil meines Lebens. Wenn ich an den Wochenenden nach Hause komme, genieße ich es mein Klavier wieder zu haben und spielen zu können. Wirklich üben, so wie vorher tut man jedoch nicht. Es ist eher der Ausgleich, nach einer anstrengenden Studienwoche, den man durch den Spaß am Spielen erlangt.

Göttingen ist ca. 100 km von Braunschweig entfernt und relativ gut mit dem Zug zu erreichen. Mit dem Studentenausweis ist es möglich, kostenlos mit dem Nahverkehr in Niedersachsen und Umgebung zu reisen. Leider gibt es keinen Direktzug nach Braunschweig, sodass man 2 mal umsteigen muss und insgesamt 1 ¾  Stunde unterwegs ist.

Trotzdem lohnt es sich immer wieder für das Wochenende nach Hause zu kommen, denn alleine in eine neue Stadt zu ziehen ist deutlich schwerer, als ich es mir vorgestellt habe. Außerdem fehlen einem die Gewohnheiten, wie in meinem Fall das Klavier. Ich kann es jedem empfehlen, in eine WG zu ziehen oder selber eine zu gründen. Umso größer die WG, desto anstrengender ist es sicherlich aber wenn man in kleinen Gruppen zusammen wohnt (so wie ich, zu zweit zum Beispiel) und die Chemie stimmt, ist es immer ein guter Ausgleich zum stressigen Unileben. Es ist immer gut, jemanden da zu haben, mit dem man reden kann.
Göttingen ist eine absolute Studentenstadt und noch dazu eine Fahrradstadt. Nichts ist weit weg. Alles ist mit höchstens 15 Minuten Radweg zu erreichen und überall trifft man Studenten. Das Nachtleben ist dementsprechend ausgelegt. Jeden Mittwoch ist Studententag, sodass zahlreiche Angebote den Abend versüßen. Außerdem ist immer etwas los, der Spaß bleibt jedenfalls nicht aus.

Das Studium an sich ist sehr interessant. Für Mathefreunde genau das Richtige! Bis zum 2. Semester muss ein Matheschein bestanden werden, der nicht nur Schulmathematik beinhaltet.
Die Pflichtmodule der ersten Semester schneiden viele Themen an. Zivilrecht beispielsweise, gibt nützliche Tipps, die zum Teil auch im alltäglichen Leben gebraucht werden können. Weitere Module sind zum Beispiel Informations- und Kommunikationssysteme, Unternehmen und Märkte und Jahresabschluss. Es ist ein toller Studiengang, der einem viele Türen öffnen kann. Spezialisierungen auf bestimmte Bereiche sind erst im späteren Verlauf des Studiums notwendig, sodass einem die Zeit bleibt, jeden Bereich erst einmal kennen zu lernen. Insgesamt bietet die Georg-August-Universität eine sehr gute Ausstattung, was zum Beispiel die Bibliotheken betrifft. Auch von Platzmangel kann man, trotz des Doppeljahrgangs, in den Hörsälen und der Uni nicht sprechen. Die Universität wurde als eine Eliteuniversität in Deutschland ausgezeichnet, wie ich finde zu Recht.

Zu guter Letzt noch ein paar Worte über die Mensa. Göttingen bietet den Studenten mehrere Mensen, an den unterschiedlichen Standorten in der Stadt verteilt. Das Essen ist günstig und lecker. Es lohnt sich, über die Woche seine Mittagspause dort zu verbringen. Es ist aber eben nur Mensaessen und da freut man sich schon sehr, wenn man zum Wochenende wieder zu Hause ist :-). Ich hab wirklich schon alle unterschiedlichen Bereiche an der Uni entdeckt aber noch immer keinen Musikraum!  Die Uni bietet somit ebenfalls keine Möglichkeit weiterhin Klavier zu spielen. Trotzdem sollte man seine Leidenschaft zur Musik niemals aufgeben. Es findet sich mit der Zeit immer einer Möglichkeit wieder zu spielen. Vielleicht in einem Musikraum eines Studentenwohnwerks, in einem Altersheim… wenn man wirklich will, dann hält man an der Musik fest, auch wenn es nicht mehr das kontinuierliche Üben ist, das es vorher war. Vielleicht sollte man sich als Ansporn überlegen wie viel Arbeit man schon hineingesteckt hat und wie viel Spaß man mit dem Erfolg hatte. Vielleicht findet sich ja wieder Zeit für Unterricht nach dem Studium? Und auch wenn das nicht so ist, so bin ich mir sicher, dass ich niemals aufhören werde mein Hobby für mich selber zu praktizieren :-)!